Gedanken zu meinem Album

Wie der ein oder andere vielleicht schon bemerkt hat, habe ich am 23.2.2009 mein eigentlich erstes richtiges Album veröffentlicht. So ein Album ist eine Sache für sich. Da sich in diesem Genre, -also vorherrschend Tanzmusik- so einiges an Material tummelt und ich vor neuen “Beatport-Releases” auf meiner mySpace Seite, kaum noch die Posts meiner Fans und Freunde mitbekomme und diese meist völlig überflüssigen Releases als Single oder Maxi angeboten werden, habe ich mich dazu entschlossen ein richtiges Album zu machen.
Dies ist jetzt leichter gesagt als getan, denn man will ja keine Super-Mega-Minmal-Maxi mit 10 ähnliche klingende 8:30 Beatloops, die sich mit den mitgelieferten Drum-Rack Presets von Ableton Live in einem Wochenende produzieren lassen, sondern ein Stück Musik, das von vielen Gedanken und Konzepten und vor allem von einem Design lebt, das soundmäßig wiederkennbar und einzigartig ist. Völlig unabhängig davon, ob die Tracks jetzt subjektiv  “gut” oder “schlecht” sind.
Da ich in den Jahren 2007 und 2008 mindestens 3 Charles Stross, und genau so viele Stanislaw Lem Bücher gelesen habe, die mein Bild von Science Fiction in einer Art verändert haben, die in technisch und philosophischer Hinsicht irgendwo zwischen Alien und 2001 Odyssee im Weltraum geblieben waren, war ich geradezu gezwungen diese Dinge in meiner Musik aufzunehmen. Stross zeigt in seinen ultra-abstrakten Weiterentwicklungen von Open Source, dem Internet, der Gentechnik, der technologischen Singularität oder der Quantenmechanik geradezu schwindelerregende Szenarien basierend auf dem heutigen Stand der Technik. Er selbst sagt in seinem Blog, dass er für sein aktuelles Werk “Glashaus” Dinge erfunden hat, die während der Entstehen des Buches bereits real wurden. Wenn man also Science Fiction vor 40 Jahren mit der heutigen vergleicht, fällt auf, dass die damaligen Entwicklungen sich in einer Zeitspanne von 50 oder höchstens 100 Jahren in der Zukunft befinden. Aus heutiger Sicht wäre ein Blick von 10 Jahren in die Zukunft kaum noch denkbar. In 10 Jahren gibt es wahrscheinlich kein Blogs dieser Art mehr. Oder hattet ihr vor 10 Jahren ein Handy, mit dem ihr ins Internet konntet? Äää? Internet? Web Zwo null? Die Stunde von Science Fiktion hat also lange geschlagen.
Lem`s Science Fiction ist eher etwas für Liebhaber von kosmisch komischer Geschichten, die vor Philosophie, Fantasie und kleinteiligem Humor nur so strotzen. Technisches Gebrabbel der Marke Stross ist, auch wenn vorhanden, eher hintergründig. Lem, der sich selbst als größter Kritiker des Genres sieht sagt in diesem Zusammenhang mal

Neben den Drogen, die heute viele Tausende und vielleicht Millionen vergiften, wird unser Verstand obendrein durch die rund um den Globus verbreitete Emission pseudokosmischen Unsinns befallen.

Er sieht die Entwickung von Science Fiction ähnlich wie ich die von Techno Musik. Es wird soviel überflüssige Musik produziert, die den damaligen Gedanken von Techno entweder missverstaden haben oder ihn aus reinem Nihilismus einfach ignorieren. Techno war früher einfach mal mehr als reine Tanzmusik. Es war ein Blick in die Zukunft. Ein Gefühl von Faszination der Technik. Eine Musik völlig frei von musiktheoretischen Regeln. Bis auf die einfachen Beats war Techno einfach in keinem musikalischem Regelwerk beschreibbar, weil es keine klassischen Harmonien und Kadenzen gibt.
Heute ist alles ganz anders. Man kauft (oder klaut) sich Ableton Live und freut sich, dass alles was man zum Beatbasteln schon als attraktives Preset vorliegt. Jeder Depp macht nach 2 Wochen üben damit Minimal.

Globus Cassus
Und wie komme ich jetzt auf diesen Titel? Globus Cassus ist wie viele Anspielungen in den Tracktiteln ein Symbol für einen utopischen Futurismus. Ich zitiere mal Wikipedia zum Thema Clobus Cassus:

Globus Cassus (lat. globus „Erdkugel“ und cassus „hohl“) ist eine architektonische Utopie, welche die Umwandlung der Erde in eine viel größere, hohle und auf ihrer Innenseite bewohnte Sphäre von diskusartiger Form vorsieht.

Globus Cassus ist eine Idee des Architekten und Künstlers Christian Waldvogel, die dieser seit 1998 als Open-Content-Website entwickelt. In herkömmlicher Ausstellungsform fand Globus Cassus erstmals 2003 ein Publikum und war 2004 der offizielle Schweizer Beitrag an der 9. Architekturbiennale von Venedig. Das die Ausstellung begleitende, gleichnamige Buch erhielt an der Leipziger Buchmesse 2005 eine Goldmedaille im Wettbewerb Schönste Bücher aus aller Welt.

Mir war das Gesamtkonzept dieses Album sehr wichtig. Thema war Futurismus und ich habe bewusst Tracktitel gewählt, die einen gewissen Bezug dazu haben. Z.B. ist der “Lost Diglator”, der vorloren Diglator im ersten Kapitel von Lem`s Fiasko, der “Pilman Radiant” enstammt dem Buch “Picknik am Wegesrand” von Arkadi und Boris Strugazki, welches übrigens die Vorlage zu einem der größten Filme die je gedreht wurden, Stalker von Andrei Tarkowski.

Das wars dann aber auch
Mit diesem Album verabschiede ich mich von diesem Genre und breche zu neuen musikalischen Ufern auf. Ich denke zu dieser Art von Musik wurde von mir jetzt erstmal alles gesagt, was zu sagen ist.

So und jetzt nochmal ein paar Track-Beispiele:

Keinzweiter - Goldbrick Keinzweiter - Quantum

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Eine Antwort auf Gedanken zu meinem Album

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